Die sz-online meldete am 14. Juni 2012, dass im Landkreis Bautzen die Fälle häuslicher Gewalt um mehr als zehn Prozent angestiegen sind. Diese Entwicklung ist bedauerlich, andererseits führt das Sozialdezernat des Landkreises diese Entwicklung auch auf verstärkte Aufklärungsarbeit zurück: „die Sensibilität für das Thema häusliche Gewalt sei spürbar gestiegen. Viel häufiger als früher seien Frauen und Männer bereit, Anzeige zu erstatten.“

Dem Artikel ist darüber hinaus zu entnehmen, dass neun der 82 Beschuldigten Täterinnen sind, also Frauen, die gegen ihre Kinder, Eltern oder ihre Partner gewalttätig sind:  „Es kommt aber auch vor, dass Frauen auf ihre Männer und Söhne einprügeln.“ Über die Gewaltopfer wird keine geschlechtsspezifische Angabe gemacht. Es ist sicherlich verfehlt anzunehmen, dass die Verteilung hier in direkt umgekehrtem Verhältnis (also 89% weibliche Opfer, 11% männliche) steht. Einerseits sind die Opfer von Frauen auch deren Töchter, Partnerinnen oder Mütter; genauso wie häusliche Gewalt auch zwischen Männern bzw. Jungen geschieht. Andererseits legen (auch) aktuelle Zahlen aus der Schweiz nahe, dass Jungen sehr viel häufiger als Mädchen von häuslicher Gewalt betroffen sind. Das soll den Blick dafür schärfen, dass die Perspektive immer noch zu sehr auf die Täter/-innen bezogen ist.

Darüber hinaus weist der Text Schutz für die Betroffenen in den Frauenhäusern aus. Wohin sich betroffene Männer wenden können, wenn nichts bleibt, als die eigene Wohnung zu verlassen, bleibt offen.

Der Text im Original:

Mehr Anzeigen wegen Gewalt in Familien

Von Ulli Schönbach

Um zehn Prozent stieg die Zahl der gemeldeten Fälle im Landkreis – auch weil die Opfer die Täter häufiger anzeigen.

Männer schlagen Frauen, Eltern quälen ihre Kinder, Frauen prügeln auf ihre Männer ein – immer häufiger müssen die Behörden im Landkreis Bautzen eingreifen, um Gewalt in den Familien zu stoppen. 106 Fälle häuslicher Gewalt zählte das Landeskriminalamt 2011. Das entspricht einem Anstieg von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Am größten sind die Probleme in Bautzen. 28 Fälle wurden in der Kreisstadt angezeigt. In Hoyerswerda waren es 11, in Bischofswerda 5, in Kamenz 7 und in Radeberg 8. Wie die Zahlen zeigen, gehen die Angriffe fast immer von Männern aus. Von 81 Tatverdächtigen waren im vergangenen Jahr 72 Männer. Frauen werden hingegen in erster Linie Opfer von häuslicher Gewalt, ebenso wie Kinder und Jugendliche. Es kommt aber auch vor, dass Frauen auf ihre Männer und Söhne einprügeln. In dieser Hinsicht ermittelte die Polizei gegen neun Tatverdächtige.

Das Sozialdezernat des Landkreises bewertet die Zahlen sowohl als Alarmzeichen als auch als Erfolg. Die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre trage Früchte, die Sensibilität für das Thema häusliche Gewalt sei spürbar gestiegen. Viel häufiger als früher seien Frauen und Männer bereit, Anzeige zu erstatten. Das verdeutlichen auch die Landeszahlen: 2011 gingen bei den Polizeirevieren in Sachsen 2.700 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt ein. 2002 waren es gerade 500.

Aus Sicht der Kreisverwaltung ist das eine wichtige Entwicklung: einerseits, um die Opfer zu schützen; andererseits, um die Täter abzuschrecken. Denn bei Gewalttaten in der Familie fehlt es häufig noch immer an Schuldbewusstsein. Viele Angreifer haben kaum Hemmungen. In jedem zweiten Fall schlagen die Täter so hart zu, dass die Opfer verletzt werden.

Schutz bieten die Frauenhäuser in der Kreisstadt Bautzen und in Hoyerswerda mit insgesamt 28 Plätzen. Einigen Frauen dienen sie als kurze Zuflucht für nur wenige Tage, andere bleiben mit ihren Kindern bis zu einem halben Jahr.

Ein weiteres Hilfsangebot ist die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt in Bautzen. Mehr als 200 Personen aus der gesamten Oberlausitz baten hier im vergangenen Jahr um Unterstützung. Meist werden sie von der Polizei an die Beratungsstelle vermittelt.

Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3083334