WIESBADEN. Bei der Entschädigung der Opfer des Mißbrauchsskandals gebe es von der Odenwaldschule nur Lippenbekenntnisse, kritisierte der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Hessischen Landtag Marcus Bocklet. Die Schule habe nach Angaben Bocklets immer noch nicht alle Opfer des sexuellen Missbrauchs entschädigt. «Ich schätze, dass etwa die Hälfte von ihnen noch kein Geld bekommen hat», sagte der 48-jährige in einem Interview. Die Schule sträube sich nach wie vor. «Es gibt nur Lippenbekenntnisse.»

Die Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim legte vor zwei Jahren einen Abschlussbericht über die sexuellen Übergriffe vor. Genannt wurde eine Zahl von mehr als 130 Opfern. Die Übergriffe von Lehrern auf Schüler liegen Jahrzehnte zurück und gelten als verjährt.

Bocklet hat sich der Petition einer ehemaligen Schülerin an den hessischen Landtag angenommen. Die Frau fordert stellvertretend für Missbrauchsopfer Aufklärung und Entschädigung. Bei einem Treffen vor rund zweieinhalb Monaten gab es Vereinbarungen. Beide Seiten – Schule wie Opfer – wollen die Entschädigung und die unabhängige Aufklärung der Übergriffe klären. «Das Verfahren läuft», sagte Bocklet. «Es gestaltet sich aber zäh.»

Ein Grund liege an den zahlreichen personellen Veränderungen. Seit dem Aufkommen der Missbrauchsvorwürfe vor mehr als zweieinhalb Jahren sei für 2013 die inzwischen dritte Schulleitung geplant. Im Trägerverein habe es unzählige Rücktritte gegeben. «Die Odenwaldschule ist durchgeschüttelt worden», meinte Bocklet. dpa (16.12.2012)

Quelle: http://www.news4teachers.de/2012/12/odenwaldschule-noch-immer-nicht-alle-opfer-entschadigt/