Was tun, wenn die Wut in Gewalt umschlägt?

Über Gewalt gegen Frauen wird viel gesprochen, doch wenn Frauen ihre Männer schlagen oder treten, ist das immer noch ein großes Tabu. FOCUS-Online-Expertin Sigrid Sonnenholzer sagt, was man tun sollte, wenn Konflikte in Beziehungen körperlich ausgetragen werden.

Wenn Frauen ihre Wut und Angst in körperlicher Gewalt gegen den Partner entladen, muss externe Hilfe her

Wenn Frauen ihre Wut und Angst in körperlicher Gewalt gegen den Partner entladen, muss externe Hilfe her (Quelle: colourbox)

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen, physische und psychische Gewalt dürften in einer Partnerschaft niemals vorkommen. Aktuelle Studien beweisen jedoch, dass körperliche Übergriffe durchaus ein Teil der Konfliktstrategien sind.

In der Öffentlichkeit wird über die tätlichen Angriffe von Männern auf Frauen diskutiert, die Attacken der Frauen auf Männer werden jedoch tabuisiert. Auch verlässliche Studien zu diesem Thema sind Mangelware.

Dabei passiert es nicht selten, dass sich die Wut der Frauen in Ohrfeigen, Fußtritten und Schlägen entlädt. Dies zuzugeben ist für einen Mann unendlich peinlich. Er würde es nicht einmal seinem besten Freund gestehen.

Meist trifft es Männer, die sehr konfliktscheu sind und Streitereien lieber aus dem Weg gehen. Sie verfallen in einem Konflikt in eine derartige Hilflosigkeit, dass sie eine Mauer um sich aufbauen und nicht mehr in der Lage sind, sich zu äußern. Dies interpretiert die Frau jedoch als Gleichgültigkeit und versucht nun, durch immer lauteres Geschrei bis hin zu körperlichen Angriffen, den Mann zu irgendeiner Reaktion zu bewegen.

Eine Versöhnung wird mit der Zeit immer schwieriger

Jegliche Form von körperlichen Übergriffen ist beschämend und erniedrigend – sowohl für den Angreifer als auch das Opfer. Deshalb fühlen sich die Beteiligten danach immer sehr schlecht und eine Versöhnung wird von Mal zu Mal schwieriger.

Im Falle häuslicher Gewalt, unabhängig davon, von wem sie ausgeht, ist es enorm wichtig, die Konfliktmuster zu betrachten. Wer als Kind Gewalt als Methode der Konfliktlösung kennen gelernt hat, braucht als Erwachsener unbedingt Handlungsalternativen.

Ursachen erkennen

Der erste Schritt ist, sich darüber klar zu werden, welches Verhalten des Partners eine derartige Wut auslöst, dass man sich nicht mehr im Griff hat.

Häufige Ursachen sind: Schweigen, Verlassen des Raumes, „Sich-lustig-Machen“ oder das „Nicht-aufhören-können“.

Denken Sie auch bitte daran, dass der Einfluss von Alkohol enthemmt und die Situation enorm verschärft. Vermeiden Sie in jedem Fall, beispielsweise nach einer Party, ein heikles Thema aufzugreifen.

Warnsignale spüren

Lernen Sie, die ersten Warnsignale und gemeinsam mit Ihrem Partner eine Alternative zu besprechen. Dies könnte sein, dass Sie Ihrem Partner ein Zeichen geben, wann er aus einer Diskussion aussteigen muss und Ihnen Zeit geben sollte, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Es könnte auch bedeuten, dass Sie unbedingt lernen sollten, nicht in Schweigen zu verfallen, sondern die Fragen, auch wenn es unangenehm ist, zu beantworten.

Bei manchen Menschen löst Verlassenwerden und sei es nur, dass einer in ein anderes Zimmer geht, eine derartige Verlustangst aus, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Dies hat manchmal mit Kindheitserlebnissen zu tun und Sie sollten viel miteinander über solche Verletzungen sprechen. Je mehr Paare voneinander wissen und je besser sie die Reaktionen des Anderen einschätzen können, umso mehr können Sie aufeinander Rücksicht nehmen.

Lösungen für die Konfliktbewältigung liegen meiner Erfahrung nach immer im Berufsleben. Auf die Frage hin, wie man eine ähnliche Situation im Büro lösen würden, ist noch keiner meiner Klienten auf die Idee gekommen, auf Kollegen oder Kunden loszugehen. Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Kompetenzen zu einer kooperativen Konfliktlösung vorhanden sind – sie müssen nur in alle Lebenslagen integriert werden.

Samstag, 03.05.2014, 14:28 · von FOCUS-Online-Expertin
Quelle: FOCUS online, abgerufen am 9. Mai 2014